Juergen Todenhoefervon Jürgen Todenhöfer

Stoppt die Vernichtung der Rohingya 2017

Liebe Freunde, die Massaker der burmesischen Sicherheitskräfte an den muslimischen Rohingya sind unvorstellbar. Internationale Beobachter sprechen von Massenmorden, von massenhaften Vergewaltigungen und Massenvertreibungen. Über 100.000 Rohingya konnten sich in den letzten Tagen nach Bangladesch retten. Aber über 100.000 schafften es nicht. Sie versuchen in diesen Stunden vergeblich eine 27 Kilometer lange Grenze zu Bangladesch zu überwinden. Ihre Lage ist verzweifelt. Im Rücken burmesisches Militär und Polizei. Vor ihnen der Naf River und die geschlossene Grenze zu Bangladesch.

Die Vereinten Nationen, die EU und auch die deutsche Bundesregierung dürfen dieser "ethnischen Säuberung", dem sich anbahnenden Völkermord nicht länger tatenlos zusehen! Warum entsendet die UNO keine Friedenstruppen, um die Massaker und die Vertreibungen zu stoppen?

 

STRATEGISCHE ZIELE BURMAS/MYANMARS:

Ziel der buddhistischen Regierung Burmas - seit anderthalb Jahren unter Führung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi - ist es, die muslimischen Rohingya als relevante Volksgruppe Burmas auszuschalten. Und ihr geraubtes Land industriell zu verwerten. Obwohl die Rohingya mindestens seit dem 16. Jahrhundert im burmesischen Bundesstaat Rakhine leben, wurde ihnen 1982 die Staatsangehörigkeit entzogen. Sie seien heimlich aus Bangladesch eingewandert, heißt das leicht widerlegbare Argument. In Wahrheit werden sie vor allem wegen ihres muslimischen Glaubens verfolgt.

Die Rohingya in Burma sind rechtlos und bettelarm. Eine normale medizinische Versorgung erhalten sie nicht. Einfachste Infekte sind für sie tödlich. Laut UNICEF stirbt fast jedes 4. Rohingya-Kind unter 5 Jahren an Unterernährung. Das ist fünfmal mehr als im Rest Burmas und eine der höchsten Kindersterblichkeiten der Welt.

Die burmesische Regierung hat - angetrieben von buddhistischen Extremisten und Nationalisten - in den letzten 60 Jahren 20 schwere Militäroperationen gegen die Rohingya durchgeführt. Ganze Täler und Dörfer hat sie abgebrannt, unbewohnbar gemacht und Tod und Verzweiflung hinterlassen. Die augenblickliche Militäroperation gilt als die bisher schwerste.

Über 700.000 Rohingya sind in den letzten Jahrzehnten allein nach Bangladesch geflohen, wo sie unter menschenunwürdigen Umständen hausen müssen. Die meisten rechtlos. Über 1 Million weitere Rohingya-Flüchtlinge leben inzwischen in anderen asiatischen und arabischen Ländern. Viele ebenso rechtlos - etwa in Pakistan, in den Arabischen Emiraten oder in Thailand.

Bis vor kurzem gab es noch über 1,2 Millionen Rohingya in Burma. Nach der neuesten Fluchtwelle ist die Millionengrenze klar unterschritten. Die burmesische Vertreibungspolitik scheint gut zu funktionieren. Die in Burma lebende Volksgruppe der Rohingya wird kleiner und kleiner. Die internationale Politik aber schweigt.

 

DER WIDERSTAND DER ROHINGYA: 

Von Seiten der Rohingya gibt es inzwischen gewaltsamen Widerstand. Ihr wisst, dass ich Gewalt ablehne. Aber die Lage der Rohingya ist hoffnungslos und verzweifelt. Die Widerstandskämpfer kämpfen um das nackte Überleben. In Selbstverteidigung. Sie greifen keine Zivilisten an. Manchmal scheinen ihre Akte des Widerstands den burmesischen Sicherheitskräften sogar ein willkommener Vorwand für weitere Brutalitäten zu sein.

 

UNTERSTÜTZT DEUTSCHLAND BURMA MIT WAFFEN?
Der burmesische Militärchef Min Aung Hlaing war Ende April auf Einladung der Bundesregierung in Deutschland (und Österreich). Auf Waffen-Shoppingtour? Er traf sich mit seinem deutschen Gastgeber, dem Generalinspekteur der Bundeswehr Volker Wieker, besuchte das Auswärtige Amt und die Friedrich Ebert-Stiftung. Großer Bahnhof für den verantwortlichen Schlächter der Rohingya! Alles nachlesbar auf seiner Facebook-Seite. Besonders stolz scheint der burmesische Militärchef auf das Abschreiten der Ehrenformation der Bundeswehr gewesen zu sein. Hat die Bundesregierung wenigstens genauso ehrenhaft zugunsten der Rohingya interveniert?

Ich warne dringend vor Waffenlieferungen an Burma. Schon früher haben die Diktatoren Burmas Waffen aus Deutschland bekommen. Maschinengewehre vom Typ MG 3 zum Beispiel. Werden mit ihnen jetzt Rohingya erschossen? Die Schamlosigkeit der internationalen Waffenexportpolitik kannte noch nie Grenzen. Wo ist die 'klare Kante' von der im 'Kanzler-Duell' am Sonntag so oft die Rede war? Kann man nicht auch einmal klare Kante für Muslime zeigen? Euer JT

PS: Im Frühjahr besuchte ich die Botschafterin Burmas/Myanmars in Berlin. Ich setzte mich für die Rohingya ein und bat um eine Genehmigung zum Besuch ihrer Siedlungsgebiete. Die Botschafterin wies beides zurück. Ich werde nicht aufgeben.

 

 (Quelle: Jürgen Todenhöfer)

  • No comments found
Template Settings

Color

For each color, the params below will be given default values
Blue Oranges Red

Body

Background Color
Text Color

Header

Background Color

Spotlight3

Background Color

Spotlight4

Background Color

Spotlight5

Background Color

Footer

Select menu
Google Font
Body Font-size
Body Font-family
Direction